Künstler 2015

04. Mai 2015

Teilnehmende Künstler 2015

Teilnehmende Künstler 2015

Wir freuen uns, die folgenden Künstler für den ArtWalk – Park 2015 anzukündigen:

„…and a thousand miles behind“

 

Christian KERA Hinz
Evi Lemberger
Anita Gratzer
Gabriel Dubois
Antje Stumpe
Ruxiao Zhang
Nanja Gemmer
Olivia Seipelt
Pierre von Helden
Sebastian Hosu
Sophie Stephan
Carlos Sagrera
Katerina Belkina
Nina Hannah Kornatz
Lee D. Böhm
Marc Dettmann


 

CHRISTIAN KERA HINZ (Berlin, Deutschland)
up and down, 2015

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Der Künstler KERA wurde 1985 unter bürgerlichem Namen Christian Hinz in Berlin geboren. Seine Malerei ist eng verbunden mit der Streetart des Künstlers an Hausfassaden. Für diese Arbeiten entwickelt KERA digitale Entwürfe, wobei sich die Bildsprache im Wechselspiel zwischen der Arbeit am Computer und auf der Wand entwickelt. Auch in der zum ArtWalk ausgestellten Arbeit sehen wir farbige Flächen, die sich bewusst dem Malerischen entziehen und keine individuellen Pinselspuren aufweisen. Während andere Serien des Künstlers auf der Fläche verhaften, geht er in dieser Reihe von 3 Bildern in die Tiefe, spielt mit perspektivischer Komposition und der Andeutung von Architektur. Die Beschränkung auf Linie und Fläche rücken das Bild in die Nähe der Pop Art eines Jasper Johns, Robert Indiana oder Frank Stella, die auch als Hard Edge Painting bekannt wurde.
Bisher waren Arbeiten des Künstlers bei Ausstellungen in Hamburg, Halle, Dresden und Cottbus zu sehen, aber auch bei wichtigen Festivals der Szene wie dem Empty Walls Festival in Cardiff/ Walles und der IBUg.
Im Kunsthaus Tacheles Berlin organisiert und kuratiert der Künstler derzeit Ausstellungen. Des Weiteren arbeitet er mit anderen Künstlern in der Siebdruckwerkstatt Lichtenrade.

up and down | 100 x 210 cm (Triptychon) | Acryl auf Leinwand | 2014 | Preis auf Anfrage

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EVI LEMBERGER (Lam, Deutschland)
Tasul’s Home, 2012

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Evi Lemberger, geboren in Lam, fast im bayerischen Wald, ist in der Welt zu Hause. Leipzig kennt sie von einem Studienaufenthalt, ein Austauschprogramm des London College of Communication, wo sie ihren Abschluss machte. Nach fotojournalistischer Arbeit in Moskau, der Ukraine, Ungarn und München, findet sie eine 1000-Meilen-Heimat in Bangladesch.

Nun setzt die Künstlerin Tasuls Heim in Bangladesch in den Kontext unserer Ausstellung. Gleichzeitig ist Leipzig ein Wegstück ihrer eigenen 1000 Meilen und das Heim des Inders Tasul wird zum Symbol von Heimat, die sich plötzlich als zentrales Thema bei Lemberger offenbart.

Die Heimat der Künstlerin in Lam, in der Thematik des ArtWalk Leipzig als Heimat seiner Bewohner in einer 1000-jährigen Geschichte und nicht zuletzt Heim und Heimat Tasuls, begegnen sich auf einer Metaebene und stoßen einen Diskurs an, der über die Welt als Ganzes nachdenkt, indem er uns als Individuum anspricht.
Lemberger lebt und arbeitet in Halle und in Lam.

Tasul’s Home | 45 x 90 cm | Fotografie, Digital Print | 2012 | Preis auf Anfrage

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ANITA GRATZER (Linz, Österreich)
Last World Mamal, 2015

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Anita Gratzer studierte an der Universität in Linz Bildende Kunst.
Die ausgestellte Fotografie „Last World Mamal“ entstand Anfang 2015 und ist Teil einer Serie in gleicher Ästhetik mit dem Titel „The Last World – Metamorphoses“. Bei Gratzers Fotografien tritt das Surrealistische mal mehr und mal weniger zu Tage. In dieser ‚letzten Welt‘ zeigt sie uns unbestimmte Objekte, teils vertraute biomorphe Körper. Mögliche Endprodukte der Metamorphosen, die in der letzten Welt abgeschlossen sind. Vergleicht man die auf der ganzen Welt entstandenen Porträts selbstbewusster Individualisten auf früheren Arbeiten der Künstlerin, mit den hier in der leeren Schwärze des Raums schwebenden Objekten, scheint ein gewisser Pessimismus, eine fatalistische Sicht auf die Zukunft in das Werk Gratzers Einzug gehalten zu haben. Die persönlichen 1000 Meilen liegen in diesem Fall noch vor uns, die letzte Welt sollte uns nicht verunsichern, aber wir sind gewarnt! Anita Gratzer lebt und arbeitet derzeit in Linz.

Last World Mamal | 50 x 100 cm | Fotografie | 2015 | Preis auf Anfrage

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GABRIEL DUBOIS (Vancouver, Kanada)
Infinity Broadcast, 2014

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Der Kanadier Gabriel Dubois ist durch mehrere Studienaufenthalte z.B. in der Pilotenküche auf dem Spinnereigelände mit Leipzig verbunden. Auch dieser Künstler bewegt sich auf der Schwelle von Streetart und Malerei auf der Leinwand.
Die eingereichte Fotografie zeigt eine großflächige Fassadengestaltung in einer kanadischen Vorstadt, die Dubois‘ Fähigkeit demonstriert, nicht nur auf der Fläche, sondern im Mitdenken des umgebenden (städtischen) Raums zu komponieren. Die Reduktion der Form, die Beschränkung auf weiße Farbe, die sich in der Umgebung wiederfindet, versuchen nicht zwangsläufig aufzufallen. Allein die Größe der Arbeit beansprucht Aufmerksamkeit, jedoch schafft es das Kunstwerk weder destruktiv noch dekorativ in die künstliche Landschaft einzugreifen. Wieder ist es nicht Leipzig selbst, Dubois deutet den Raum „Stadt“.

Ein Bewusstsein für die Geschichte einer Stadt spiegelt sich allein im Zustand des „Jetzt“. In der Streetart, die jederzeit wieder entfernt oder übermalt werden kann, ist diese Vergänglichkeit des Kunstwerks stets ein wichtiges Element.
Gabriel Dubois lebt und arbeitet in Vancouver und Leipzig.

Infinity Broadcast | variable size | Fotografie | 2014 | Preis auf Anfrage

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ANTJE STUMPE (Leipzig, Deutschland)
ParadiseLost-3: Schlafzimmer, 2011

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Die Fotografin und Kommunikationsdesignerin Antje Stumpe ist in ihre Heimat Leipzig-Grünau zurückgekehrt, um sich auf fotografische Spurensuche nach dem „einst geschätzten und scheinbar verlorenen Paradies“ (Aussage der Künstlerin) zu begeben.
Die Ironie, die in den dabei entstandenen Fotos zu Tage tritt, besteht darin, dass teils prekäre Lebenssituationen ihren Gegensatz in den privaten Fluchtmöglichkeiten der Inneneinrichtung finden. Nach dem Leitsatz „schöner wohnen, besser leben“ entstehen kulissenhafte Schaubühnen, die den Bewohnern eines Plattenbaus als Rückzugsort dienen. Im gezeigten Bild „Paradise Lost 3“ wird das Bett zum Altar für eine Sammlung kitschiger Fetische und man meint, über die irregeleitete Sehnsucht nach Schönheit die konträre Trostlosigkeit des Alltags zu spüren.

Der Blick der Künstlerin ist aber keinesfalls der Blick von außen auf ein soziales Milieu o.Ä. Jegliche Abwertung des Gezeigten ist Antje Stumpe fremd. Vielmehr geht es darum, zu verstehen, sich einfühlen zu können in die Bewohner dieses Schlafzimmers. Mit allen Umständen und Lebensbedingungen, die damit in Verbindung stehen – konzentriert auf das Foto und die Information Grünau, Stadtteil des 1000-jährigen Leipzig. Zum Thema veröffentlichte Antje Stumpe das Buch „Paradise Lost – Auf der Suche nach dem Paradies im Plattenbau“.

Ihr Studium absolvierte Antje Stumpe an der Burg Giebichenstein in Halle 2011 mit Auszeichnung.

ParadiseLost-3: Schlafzimmer | variable size | Fotografie | 2011 | Preis auf Anfrage

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RUXIAO ZHANG (Changchun, China)
Winterwald (Ausschnitt), 2011

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Die 1986 in Changchun, V.R. China geborene Ruxiao Zhang lebt seit 1994 in Deutschland.
2013 beendet sie ihr Studium der Malerei/Grafik bei Prof. Annette Schröter an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig mit dem Diplom und lebt und arbeitet seitdem in Leipzig und Frankfurt am Main.

Der Winterwald, den wir sehen, ist zeitlos. Noch bevor die ersten Menschen sich in dieser Gegend niedergelassen haben, wird er so ausgesehen haben, ein verirrter französischer Soldat während der Völkerschlacht wird ihn so vorgefunden haben und wenn heute eine aus China stammende Künstlerin den Stadtpark erkundet, bietet sich ihr eine solche Szenerie. Es ist also naheliegend, in der sich verändernden Stadt das Gleichbleibende, Beständige zu suchen. Nicht zuletzt wird der Zugereiste, und in einer Universitäts- und Zuzugsstadt wie Leipzig ist ein Großteil der Bevölkerung einmal fremd gewesen, immer etwas finden, das ihm vertraut ist.
Der Wald aus dünnen Stämmen steht in diesem Sinne in vielerlei Hinsicht für Zeit- und Ortlosigkeit, für Beständigkeit in einer sich verändernden Welt.

Winterwald | 60 x 80 cm | Öl auf Leinwand | 2011 | Preis auf Anfrage

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NANJA GEMMER (Düsseldorf, Deutschland)
Braunkohle, 2015

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Die 1989 in Duisburg geborene Nanja Gemmer führt einiges an, was sie mit Leipzig verbindet.
In ihrer Arbeit thematisiert den Braunkohleabbau in Leipzig. Das Braunkohlevorkommen unter dem Stadtgebiet von Leipzig hätte fast einmal dazu geführt, dass Leipzig nicht das 1000-jährige Jubiläum erreicht, zumindest nicht am gleichen Ort. Die Abraumbagger standen schon vor den „Toren“ der Stadt, als die Ereignisse des Herbstes ‘89 wiederum alles veränderten. Die Künstlerin zitiert den Titel der das Thema behandelnden Dokumentation: „Braunkohle um jeden Preis – Sollte Leipzig weggebaggert werden?“ (MDR/UAP Video GmbH, 2011).
An der Kunstakademie in Düsseldorf studierte Gemmer Malerei in der Klasse von Prof. Katharina Grosse. Eine Großzahl ihrer Arbeiten ist jedoch eher installativer Natur. Beispielsweise finden wir in plastikbunter Farbe angestrichene Baumstämme, die auf Rasenflächen aufgestellt, Künstlichkeit und Natürlichkeit gegenüberstellen. Und auch die hier gezeigte Fotografie dokumentiert eine Installation. Die Metalltüren mit den Fensteröffnungen verstellen teilweise den Blick auf eine Braunkohlelandschaft, die auch für das Leipziger Umland charakteristisch ist beziehungsweise war, da jetzt einige die Löcher füllende Seen das Bild verändern. Die künstlichen Objekte trennen den Betrachter vom Abraum der Braunkohle, der damit zum Hintergrund wird und sich zugleich die Frage stellt, warum man uns den Zutritt verweigert. Die Installation ist ohne den Ort nicht denkbar. Die Präsentation im Park lässt ebenfalls die Deutung zu, dass an gleicher Stelle ebenfalls eine solche Grabenlandschaft sein könnte, wenn die Geschichte nicht anders verlaufen wäre.

Braunkohle | je Element ca. 100 x 260 cm | Installation Metall und Lack | 2015 | Preis auf Anfrage

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OLIVIA SEIPELT (Dessau, Deutschland)
Entfaltung, 2015

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Wie jede abstrakte Arbeit, die sich gezielt der Inhaltlichkeit verweigert, ist auch die Deutung der Arbeit „Entfaltung“ der 1977 in Bernburg geborenen Olivia Seipelt nur subjektiv möglich. Zumal uns der Titel wenig Hinweise gibt, welcher Spur es zu folgen gilt. Schaut man sich andere Arbeiten der Künstlerin an, wird aber recht deutlich, warum sie zum Topos der Ausstellung gerade dieses Bild eingereicht hat. Im Rahmen unseres 1000-Jahre-Themas haben wir das sich aufklappende Band, das sich von links nach rechts über den Bildraum zieht, als Zeitachse gelesen. Ähnlich eines Diagramms, das raum-zeitliche physikalische Vorgänge abbildet. Die einzelnen farbigen Flächen kann man so als Verbildlichung diverser Parameter lesen, die das Auf und Ab unspezifischer Vorgänge darstellen. Wir erkennen in der Dynamik die organische Heftigkeit dieser Bewegung und die Simultanität unabhängiger Vorgänge. Als abstrahierte Darstellung der Stadtentwicklung in 1000 Jahren gedeutet, stellen wir signifikantes Ansteigen und ständige Veränderung fest. Der Pluralismus nimmt zu, die Entwicklung verläuft in verschiedene Richtungen. Da dieses Diagramm keinen empirischen Daten folgt, ist es aber subjektives Empfinden, das sich hier ausdrückt und eröffnet einen Diskurs darüber, wie wir ein so wahrgenommenes Verändern bewerten.
Olivia Seipelt studierte Design an der FH Dessau-Roßlau und arbeitet als Designerin, Künstlerin und Kurato-rin. Derzeit engagiert sie sich als Vereinsvorsitzende und Kuratorin der Brau.ART Dessau.

Entfaltung | 90 x 120 cm | Mixed Media auf Leinwand | 2015 | Preis auf Anfrage

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PIERRE VON HELDEN (Leipzig, Deutschland)
Die Fahnenträgerin – 1989/90, 2015

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Pierre von Helden, unter anderem Namen 1983 in Wismar geboren, greift die Briefmarke als Propagandamittel der DDR auf, ironisiert sie und setzt sie in einen zeitgenössischen Kontext. Dabei stellt er sich selbst die Aufgabe, nachzuvollziehen, wie man den ästhetischen Vorgaben der DDR folgend, das 1000-jährige Jubiläum bzw. die 25-jährige Wiedervereinigung zelebrieren würde.
Das bedeutet im hypothetischen Fall, der Ostblock hätte Westdeutschland 1989 annektiert, wie hätte die Jubiläumsbriefmarke der DDR ausgesehen? Ein bissiger Humor, der sich in dieser bewusst „plakativen“ Arbeit zeigt.

Abseits der Inhaltlichkeit ist es dem Künstler eigen, die Rohfassung seiner Arbeiten mit Scherenschnitten aus farbigem Tonpapier zu fertigen. Die Nähe zur (alten) Leipziger Schule (Mattheuer), aber auch zur Gebrauchsgrafik der DDR, beruht auf der künstlerischen Suche nach einem bestimmten kollektiv-unterbewussten Gefühl, die den Künstler umtreibt. Private und subjektive Erinnerungen an Momente der gesellschaftlichen Umbrüche, die in der Kindheit von Heldens stattfanden, führen zu einem ambivalenten Empfinden derselben, das viele „Wendekinder“ vereint, jenseits jeglicher Verklärung.

Die Fahnenträgerin - 1989/90 | 50 x 100 cm | Coladigigraphie, Fineartprint (Edition 12) | 2015 | N/A

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SEBASTIAN HOSU (Satu Mare, Rumänien)
Playground, 2014

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Der Rumäne Sebastian Hosu, geboren 1988 in Satu Mare, ist seit 2013 Meisterschüler bei Prof. Heribert C. Ottersbach (HGB Leipzig). Nach seinem Bachelor an der University of Fine Arts and Design, Cluj-Napoca, Rumänien, folgte bis 2012 ein Master an der Académie Royale des Beaux-arts in Liege, Belgien. Ausstellungen in Deutschland, Belgien, Kanada und Rumänien sowie z.B. der Price Horlait (Brüssel) bestätigen den technisch hochbegabten Künstler auch in der von unserer Jury als außergewöhnlich eingeschätzten, eigenen Bildsprache.

Die auf wesentliche Ausschnitte reduzierten Figuren und die mehrfach überarbeiteten Flächen stellen das Malerische der Arbeiten in den Vordergrund. „Playground“ zelebriert die Malerei, der Ausdruck liegt vor allem im Duktus und Auftrag der Farbe.

Eine springende und eine stehende Figur sind nur angedeutet, überragen allerdings die beiden vollständigen Figuren an Dynamik und Körperlichkeit. Die einmal männlichen und einmal weiblichen Schenkel sind versierte anatomische Studien, die Figuren daneben verwischen und bleiben unkonkret. Die Farben des Raums dominieren in Blau- und Grautönen, ausgewogen auf Blautöne der Kleidung antwortend. Dagegen steht der Farbkontrast der Hauttöne. Einzige Öffnung der Bildebene ist das Fenster, in dem eine Landschaft sichtbar wird. Diese verbindet sich mit dem Bildraum durch einen zur Ranke werdenden dünnen Baum.

Die inhaltliche Deutung, die Erzählung der Bilder überlässt Hosu dem Betrachter. Doch diese Offenheit ist erkämpft. Reduzierung und geplante Weglassung, das Durchschimmern und Stehenlassen der Leinwand, ermöglichen eine selbstbewusste Unfertigkeit der Arbeiten. Dadurch werden diese als unvollendet wahrgenommenen Bilder extrem spannungsvoll. Sebastian Hosu lebt und arbeitet in Leipzig.

Playground | 186 x 200 cm | Öl auf Leinwand | 2014 | Preis auf Anfrage

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SOPHIE STEPHAN (Leipzig, Deutschland)
wie es war, wie es ist, 2015

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Die politischste Position unserer Ausstellung stammt von der 1985 in Rochlitz geborenen Sophie Stephan, die an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Günther Selichar studierte. Ihre konzeptuellen Arbeiten sind neben medienkritischer Thematik und der Beschäftigung mit Alltags-Phänomenen wie in der ausgestellten Arbeit „smell of apple“ oft auch soziologischer Natur. Die Künstlerin geht Fragen nach Privatheit und Öffentlichkeit nach und demonstriert gesellschaftliche Entwicklungen.
Der gezeigte Raum ist eine der Unterbringungen im Asylbewerberheim in der Torgauer Straße in Leipzig. Das Bild entstand während der Arbeit an einem Experimentalfilm in Zusammenarbeit mit syrischen Flüchtlingen aus dieser Wohnung.
Die pragmatische Beschaffenheit des Zimmers, die spartanische Einrichtung, die nicht nur auf das Wesentliche beschränkt ist, sondern fast ausgewählt schmuck- und lieblos erscheint, steht sinnbildlich für unseren Umgang mit Flüchtlingen. Gerade jetzt ein aktuelles Thema. Die Auseinandersetzung damit kann der Betrachter jedoch erst beginnen, wenn ihm die Informationen zum Entstehungsort gegeben werden. Weder Bild noch Titel verweisen darauf. Mit der Sujetlosigkeit der Fotografie zwingt die Künstlerin den Betrachter dazu, diese Meta-Informationen einzuholen. Das zeigt sehr gut die Arbeitsweise Sophie Stephans, die damit eher Konzeptkunst als Fotografie präsentiert. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Leipzig.

wie es war, wie es ist | variable size | Fotografie | 2015 | Preis auf Anfrage

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CARLOS SAGRERA (Madrid, Spanien)
Kleingarten, 2015

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Der 1987 in Madrid geborene Maler Carlos Sagrera war bereits 2014 im Leipzig International Artist – Programm in der Spinnerei eingebunden. Er kehrte dieses Jahr in die liebgewonnene Stadt zurück, um hier zu leben und zu arbeiten.

Nicht nur die künstlerische Nähe zur Neuen Leipziger Schule zog ihn zurück, das Lebensgefühl und die Mentalität der Stadt haben wohl Eindruck hinterlassen. In der gezeigten Arbeit „Kleingarten“ präsentiert er uns den Blick auf eine hier verortete Kultur von außen. Der Kleingarten, als Symbol für bürgerliche Tradition und den Wunsch nach individueller Zurückgezogenheit, wird nicht ohne Sympathie zum Leipziger Charakteristikum erklärt, zum sächsischen, vielleicht zum deutschen.

Dem Werk des Künstlers eigen ist die Porträtierung von Menschen über Orte. Das Selbstporträt über den Atelierraum, die Charakterisierung seiner Umwelt über die gewachsenen Räume und Strukturen, gelingt Sagrera durch feinsinnige, aufmerksame Beobachtung. Carlos Sagrera studierte bis 2011 an der Faculty of Arts and Communication, European Univerisity of Madrid und hat zahlreiche Ausstellungen in Spanien und Leipzig.

Kleingarten | 50 x 50 cm | Acryl auf Leinwand | 2015 | N/A

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KATERINA BELKINA (Moskau, Russland)
For Rousseau, 2008

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Die in Samara, Russland geborene Katerina Belkina arbeitet vorrangig mit fotografischen Selbstporträts. Die Arbeit „For Rousseau“ stammt aus einer Serie, in der die Künstlerin in den Dialog mit großen Namen der Kunstgeschichte tritt, indem sie sich Stil und Bildsprache der jeweiligen Künstler aneignet und ihr Selbstporträt in Anlehnung an ikonografische Werke inszeniert.

Im schnellen Vorbeigehen meint man so, ein Gemälde von Modigliani, Picasso, Degas, Schiele, Klimt, Lempicka oder eben Rousseau vor sich zu haben. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man weder ein Original noch Malerei vor sich zu haben, sondern Fotografie. Eine starke kreative Kraft sieht Belkina in der Interaktion zwischen Künstler und Modell. Indem sie als ihr eigenes Modell auftritt, kann sie sowohl die Rolle des Bildschaffenden als auch des Modells nachvollziehen und schafft eine zusätzliche Spannung.

Durch die weitergehende Bearbeitung des Bildes, um den Eindruck der Gemälde zu erzeugen, gewinnt das Bild letztlich Authentizität und wird als originäres Werk relevant. 2007 wurde Katerina Belkina für den Kandinsky Preis in Moskau nominiert. Aktuell lebt und arbeitet sie in Berlin.

For Rousseau | 92 x 130 cm | Photography & Painting (Edition 8) | 2008 | Preis auf Anfrage

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NINA HANNAH KORNATZ (Halle/Saale, Deutschland)
Siegen, 2011

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Nina Hannah Kornatz, Jahrgang 1985, aufgewachsen in Hessen, studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Martin Luther Universität Halle, Malerei bei Prof. Ute Pleuger an der Burg Giebichenstein ebendort, mit einem Auslandsaufenthalt an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Prof. Daniel Richter. 2014 führte sie ein Atelierstipendium bei ‚A room that …‘ in der Baumwollspinnerei nach Leipzig.

Viele ihrer Arbeiten zeigen Figuren und Körper ohne Gesicht. Das Thema der Individualität bearbeitet die Künstlerin in bewusst nicht narrativer Form. Dies gelingt vor allem über die malerische Abstraktion bestimmter Bildpartien. Während Körperteile noch anatomische Beobachtung erahnen lassen, sind Kleidung und Gegenstände auf Flächen reduziert. Der Bildhintergrund ist letztlich völlig abstrakt, reine Fläche oder Materialexperiment, verlaufende Farben und Lasuren beleben den Grund.

Im Bild „Siegen“ entsteht durch die Aufreihung der sich wiederholenden abstrahierten Hände, Arme und Paddel eine rhythmische Dynamik. Es entsteht der Eindruck, die Bildgegenstände lösen sich, der Wichtigkeit nach gestaffelt, in Malerei auf. Die Arbeit bezieht sich stärker auf „…And a thousand miles behind“ im Wortsinne als auf das Leipziger Stadtjubiläum. Übertragbar auf beides ist, dass der Weg als Ziel gesehen wird und die Künstlerin die Rolle des Einzelnen in einer Gruppe bzw. der Gesellschaft hinterfragt.

Siegen | 140 x 120 cm und 140 x 190 cm | Öl und Acryl auf Leinwand | 2011 | Preis auf Anfrage

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LEE D. BÖHM (Leipzig, Deutschland)
Vorrat, 2011

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Lee D. Böhm, geboren in Ludwigslust, lebt und arbeitet in Leipzig. Ihr Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Prof. Ulrich Hachulla schließt sie mit einem Diplom mit Auszeichnung ab. Ein Graduiertenstipendium des Landes Sachsen und mehrfache Auszeichnungen des Musikprojektes «Westwerk» zeigen die Relevanz und Umtriebigkeit der Künstlerin.

In „Vorrat“ dominiert eine weibliche Figur in Rückenansicht, die über eine gläserne Trennwand hinweg den Blick zurück wagt. Im Kontext unserer Ausstellung zurück auf den gegangenen Weg oder die hinter uns liegende Geschichte. Damit werden die Figuren in der linken Bildhälfte zu Vergangenheit, die Figurengruppe rechts zu begonnener Zukunft. Beide Bildhälften werden durch den roten Fluss im Hintergrund getrennt, den die zentrale Figur nicht eindeutig schon überschritten hat. Böhm scheut die Narration nicht, gewährt aber Deutungsoffenheit.

Ein weiteres Bildelement ist die fast paradiesische Waldlichtung in der rechten unteren Ecke. Ein Versprechen der Zukunft möglicherweise, das sich allerdings vorerst als Pappkulisse herausstellt. Lee D. Böhm lebt und arbeitet in Leipzig.

Vorrat | 100 x 120 cm | Öl auf Leinwand | 2011 | Preis auf Anfrage

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MARC DETTMANN (Leipzig, Deutschland)
größere Halle, abends, 2014

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Marc Dettman wurde 1975 in Hannover geboren, studierte Grafik-Design an der Fachhochschule Hildesheim und Malerei bei Prof. Sighard Gille an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Hier arbeitete er auch während mehrerer Atelierstipendien in der Pilotenkueche, Spinnerei, und nahm u.a. an der Leipziger Jahresausstellung 2013 teil.

„Größere Halle, abends“ erinnert sofort an die Industrieruinen in Leipzig, die wie im Falle der Baumwollspinnerei, des Westwerks, des Tapetenwerks etc. größtenteils durch Künstler mit neuer Betriebsamkeit belebt wurden. Nicht nur das Sujet, auch der Duktus der Malerei ist das, was man mit Bildender Kunst aus Leipzig assoziiert. Im Vordergrund steht neben der Architektur des Innenraums, das Licht, wie auch im Titel durch den Verweis auf die Tageszeit nahegelegt wird. Die im Dunklen gehaltene Säulenhalle wird durch einen schmalen Streifen einfallenden Lichtes einer tiefstehenden Sonne nahezu sakral. Auch die Höhe des Raumes und die großen Fenster unterstützen diesen Eindruck. Welche Bedeutung man diesem so gewürdigten Raum gibt, überlässt Dettmann aber dem Betrachter. Die Industriedenkmäler Leipzigs schaffen es eindrücklich, über Architektur und Überbleibsel des Werkbetriebes einen Eindruck der Arbeitsumstände während der industriellen Revolution zu vermitteln, die auch für die weitere Entwicklung der Stadt sehr bedeutsam war. Die Frage nach der Erhaltung, Nutzung und Zugänglichmachung für die Öffentlichkeit dieser Orte steht im Raum. Marc Dettmann lebt und arbeitet in Leipzig.

größere Halle, abends | 115 x 290 cm | Eitempera und Öl auf Leinwand | 2014 | Preis auf Anfrage

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Stand: Juni 2015